Mudau

Der Eisig

Einst ging in Mudau das Gerücht, ein Hainstadter Jude mit Namen Eisig, der oft auf den Mudauer Viehmarkt kam, habe die Brunnen vergiftet.

Die hohe Justiz, die damals ihren Sitz in Mudau aufgeschlagen hatte, ließ den Juden gefangen nehmen und verurteile ihn kurzerhand zum Tode.

Im finsteren Gelass des Mudauer Kerkers hatte er dann Zeit, über seine Verbrechen nachzudenken, bis ihn der Tod am Galgen erwartete.

Da erbarmten sich seine Glaubensgenossen, die in dem Judenhaus dem Amtshaus gegenüber wohnten, seiner.

Sie bestachen den Bäcker, der das Brot für den Gefangenen backen musste, ein scharfes Messer mit hineinzubacken.

Am anderen Morgen fand man den Juden Eisig mit durchschnittener Pulsader in seinem Blue schwimmend im Kerker auf.

Aber sein Geist konnte ob der vielen Menschen, die am Genuss des vergifteten Wassers gestorben waren, nicht zur Ruhe kommen.

Noch heute spukt es im Rathaus. Deswegen traut sich bei einbrechender Dunkelheit kein Kind mehr in die dunklen Gänge des Rathauses aus Furcht davor, der Eisig komme.

(Nachdem das alte Rathaus an die Sparkasse verkauft worden war, hat man von dem Spuk nichts mehr gehört. Anscheinend gelang es den Bankern, sogar den Eisig Furcht einzuflößen.)

 

Quelle: Dr. Theodor HumpertHeimatbuch ‚"Mudau im Odenwald" (Seite 235)